St. Marien Lübeck: Baubeginn der Innenraumsanierung ab 2026 in Sicht

In der Kirche St. Marien zu Lübeck wird voraussichtlich in diesem Jahr mit den umfangreichen Baumaßnahmen zur Sanierung der Innenraumschale begonnen. Nach aktueller Prognose – vorbehaltlich der finalen Bewilligung – besteht die Aussicht, dass die Fördermittel in Höhe von 14 Mio EUR durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) Ende Februar 2026 freigegeben werden könnten. Erst dann wäre der offizielle Baustart für das große Sanierungsprojekte der Lübecker Innenstadtkirche möglich. 

Nach intensiven Jahren der Vorbereitung könnten die bislang gesammelten Mittel damit erstmals ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Kurz vor dem Jahreswechsel informierten sich Vorstandsvorsitzender Dr. Jan-Dirk Verwey und Referentin Fundraising Heike Reimann der Stiftung 7Türme+ gemeinsam mit der verantwortlichen Architektin Christine Johannsen von Architekten Johannsen und Partner mbB direkt vor Ort über den aktuellen Stand der Untersuchungen in St. Marien.

Archäologische Entdeckungen unter dem Kirchenboden

Im Zuge vorbereitender Maßnahmen wurden an mehreren Stellen stichprobenartige Bodenöffnungen vorgenommen – begleitet von Archäologinnen und Archäologen. Dabei traten überraschende Funde zutage: Unter anderem wurde eine bislang unbekannte Gruft entdeckt, deren Innenwände mit Malereien versehen sind und schichtweise freigelegt und dokumentiert wurden. Die Befunde werden derzeit wissenschaftlich ausgewertet. Darüber hinaus stießen die Fachleute auf Reste einer historischen Warmluftheizungsanlage, deren Entstehungszeit aktuell ebenfalls untersucht wird. Die geöffneten Bereiche werden nach Abschluss der Untersuchungen zunächst mit Sand verfüllt, da sie für den Einbau der neuen Heizungsanlage erneut freigelegt werden müssen.

Ein Blick in die Frühgeschichte der Marienkirche

Die über einen Meter tiefen Ausgrabungen ermöglichen einen einzigartigen Blick in die Frühgeschichte der Marienkirche, deren Ursprünge bis zu einem Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert zurückreichen. Freigelegte Mauern auf massiven Feldsteinfundamenten stammen eindeutig aus der wirtschaftlichen Boomphase Lübecks um 1200.

Diese Funde bestätigen nicht nur frühere bauhistorische Annahmen, sondern erweitern das Bild der romanischen Vorgängerkirche. Bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstand hier eine monumentale romanische Backsteinbasilika, die den wirtschaftlichen Aufschwung Lübecks unter der Herrschaft des dänischen Königs Waldemar II. widerspiegelte. Durch die Finanzierung durch Lübecker Kaufleute übertraf sie in ihrer Dimension sogar den Dom zu Lübeck – ein herausragendes Zeichen städtischen Selbstbewusstseins.

Handwerkliche Details: Scharrierungen und verzierte Fußbodenfliesen

Bei den derzeitigen archäologischen Arbeiten konnten darüber hinaus auch handwerkliche Details nachgewiesen werden: sogenannte Scharrierungen, feine, gezielt eingearbeitete Rillen in den Backsteinen, ein charakteristisches Stilmittel der frühen romanischen Backsteinarchitektur. Ebenfalls eine Entdeckung: kunstvoll verzierte Fußbodenfliesen aus den 1370er Jahren aus dem ehemaligen Chorbereich – bedeutende Zeugnisse mittelalterlicher Bau- und Kunstgeschichte.

Sanierung als Chance für Forschung und Öffentlichkeit

Die weiteren archäologischen Untersuchungen in den Seitenschiffen und im Chorbereich erfolgen in enger Abstimmung zwischen Kirchengemeinde, Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg sowie der städtischen und kirchlichen Denkmalpflege. Ziel ist es, die neuen Erkenntnisse nicht nur wissenschaftlich zu sichern, sondern sie künftig auch für die Öffentlichkeit verständlich aufzubereiten. „Mit der anstehenden Sanierung von St. Marien verbinden sich große Verantwortung und eine außergewöhnliche Chance“, sagt Dr. Jan-Dirk Verwey. „Die aktuellen Funde zeigen eindrucksvoll, wie tief die Geschichte dieser Kirche mit der Stadtentwicklung Lübecks verwoben ist. Es ist ein besonderer Moment, in dem Baugeschichte, Archäologie und Zukunftsgestaltung zusammenkommen.“ Die geplanten Maßnahmen sollen dazu beitragen, das herausragende kulturelle Erbe der Marienkirche zu bewahren und zugleich moderne technische Anforderungen – insbesondere im Bereich Klima und Nutzung – behutsam zu integrieren.