Zu oft wird Lübeck in den üblichen Klischees erzählt: Lübeck, die alte Hansestadt, die mit den Gängevierteln, die Stadt der reichen Kaufleute, für die der gesalzene Hering die Lizenz zum Geldverdienen war und deren roter Backstein seit 1987 zum Weltkulturerbe gehört.
Lübeck, die Stadt des Marzipans, die Perle an der Ostsee, die Stadt der Schriftsteller-Dynastie der Familie Mann. Und, natürlich, Lübeck, die Stadt der sieben Türme: St. Marien, St. Petri, St. Jakobi, St. Aegidien und schließlich der Dom. Keine anderen Kirchen stehen mehr für Stadtgeschichte, für Vergangenheit und Zukunft, wie diese fünf Gotteshäuser. Ihre Glocken schlagen an für die nächste Generation. Es ist ein Weckruf, und alle haben verstanden. Die Kirchen zu bewahren, braucht Geld. Schöne Worte reichen nicht.
Bei glutheißen 34 Grad hatten sich Touristen und Lübeck-Fans auf den Weg zu einer Benefiz-Sonderführung gemacht, deren Erlös der Stiftung 7Türme+ zugute kommt. Beim Gang durch die Altstadt wird schnell klar: Lübeck entzieht sich der Schnelligkeit des Zeitgeistes. Es tut gut, einen solchen Ort zu haben. Wie erzählte es einer der Gästeführer? Er habe 1970 die Stadt verlassen, dieses abgerockte Provinznest, sagte er, es zog ihn nach Hamburg und hinaus in die Welt. Vor elf Jahren sei er wiedergekommen. Er habe etwas gefunden, was nur kennt, wer die Türme in die Wolken stechen sieht: im Sommer für ein Postkartenmotiv, im Winter eingehüllt in Nebel und mit ein bisschen Melancholie. Was ist ein Ort, an den man zurückkehrt? So ein Ort ist Heimat. Wie Lübeck, die Stadt der sieben Türme.